„Den Ehrgeiz der Jugendlichen wecken“

Warum Lehrlinge mit stolz geschwellter Brust auftreten sollten, die Zeugnisvergabe der „Zuckerguss auf der Torte“ ist und was sie sich vom Lehrlings-Crossmentoring erwartet, erzählt Margit Stadler vom BFI Wien.

Margit_Stadler_400„Ich muss mit Menschen arbeiten – in ein Team eingebettet sein.“ Für Margit Stadler, Mentorin im Lehrlings-Crossmentoring des BFI Wien, ist die Vorstellung, nur mit Computern und Maschinen konfrontiert zu sein, undenkbar. „Das würde mich einfach nicht glücklich machen.“ Und glücklich sein, sei vor allem im Beruf unschätzbar entscheidend: „Ich bin überzeugt, dass man nur dann seinen Job gut machen kann, wenn man es gern und mit Freude tut“.

Dieser Zugang zur Arbeit begleite sie schon das ganze Leben, erzählt die gebürtige Waldviertlerin im Gespräch: „Als Jugendliche wollte ich eigentlich Kindergärtnerin werden – weil Kinder so ehrlich sind und ich ein sehr sozialer Mensch bin. Nachdem ich aber in einem kleinen Ort aufgewachsen bin, wo es diese Möglichkeit nicht gegeben hat, habe ich im Kaufhaus im Nachbarort eine Lehre im Verkauf gemacht.“ Ein Kompromiss? „Keineswegs. Was ich mache, will ich hundertprozentig und aus Überzeugung machen. Und ich bin überzeugt gewesen. Mir hat die Ausbildung einen Riesenspaß gemacht und zum Glück habe ich ganz tolle Lehrherren gehabt, die mich immer ermuntert haben, neues auszuprobieren und mich weiterzuentwickeln.“

Ehrgeiz wecken

Genau in diesen Qualitäten sieht sie auch die großen Aufgaben der Lehrausbildung: „Neben der Vermittlung der beruflichen Qualifikationen, ist es unsere tagtägliche Herausforderung, den Ehrgeiz der Jugendlichen zu wecken. Denn eines ist klar: Die Lehrlinge müssen den nötigen Biss mitbringen und den Beruf, den sie lernen, auch ausüben wollen. Dann ist es auch egal, ob sie im Zeugnis einen Vierer gehabt haben, oder nicht.“
Eine besondere Herausforderungen sei in ihrem Fall, dass insgesamt 16 Nationalitäten im Haus vertreten sind: „Da muss man sehr feinfühlig vorgehen“, bestätigt Stadler. „ Jeder Mensch zählt, egal woher er kommt. Das darf kein Lippenbekenntnis bleiben – diese Einstellung muss man leben und jedem Einzelnen tagtäglich vermitteln. Zudem gilt es, den Jugendlichen aufzuzeigen, dass sie durch harte Arbeit alles erreichen können.“ Gerade weil das Image der Lehre immer noch nicht der Realität entspricht, gelte es den jungen Menschen klarzumachen, dass sie nicht „nur“ eine Lehre haben. „Ich habe einen Lehrabschluss – und ich bin stolz darauf. Lehrlinge aus Österreich sind international gefragt, weil sie nicht nur angelernte Arbeiterinnen und Arbeiter sind, sondern tatsächlich eine fundierte Ausbildung mitbringen. Das dürfen wir nicht vergessen.“

„ Jeder Mensch zählt, egal woher er kommt. Das darf kein Lippenbekenntnis bleiben – diese Einstellung muss man leben und jedem Einzelnen tagtäglich vermitteln.“

Natürlich sei es nicht immer leicht, das auch den Jugendlichen klarzumachen. Umso erfreulicher sei es dann aber, wenn ein Lehrling die Abschlussprüfung mit Auszeichnung absolviert, obwohl er drei Jahre vorher noch mit Lernschwächen in die Ausbildung gestartet ist. „Wenn die jungen Menschen dann stolz das Zeugnis präsentieren, ist das für uns wie der Zuckerguss auf der Torte.“

Nur die Besten für die Besten

Wichtig sei es, dass man nur die besten Lehrlingsausbildnerinnen und –ausbildner einsetzt. „Sie müssen nicht nur fachlich gut sein. Sie müssen in erster Linie mit Jugendlichen können“, ist Stadler überzeugt. „Nicht immer sind die Lehrlinge schuld, wenn die Ausbildung abgebrochen wird. Hier entsteht auch in den Medien leider immer wieder ein falsches Bild.“

Initiativen wie das Lehrlings-Crossmentoring seien aber genau der richtige Weg, um dieses Bild wieder geradezurücken. „Jedes Projekt, das zur Förderung unserer Lehrlinge im Land gestartet wird, ist ein gutes Projekt. Sie sind unsere Zukunft. Und wir brauchen auch künftig gute Handwerkerinnen und Handwerker“, so Stadler. Selbst erwartet sie sich vom Projekt vor allem einen Austausch mit jungen Menschen aus anderen Branchen und Bereichen. „Es tut gut, über den Tellerrand zu schauen und andere Arbeitsabläufe kennenzulernen. So lern auch ich wahnsinnig viel.“

Wordrap:

Vom LehrlingsCrossmentoring erwarte ich mir, … mit Freude, neue Menschen kennenzulernen, und Jugendliche auf ihrem Weg begleiten zu können.
Meine Mitarbeiter will ich für meinen Weg gewinnen, indem ich … offen bin und klar kommuniziere.
Die Motivation fördere ich, … durch die Entwicklung eines Gemeinschaftsgefühls. Nur gemeinsam sind wir stark.
Als Führungskraft muss ich … auch Vorbild sein.
Der ideale Mitarbeiter ist für mich … offen.
Die Mitarbeiter dürfen sich von mir erwarten, … dass sie jederzeit – auch mit Problemen – zu mir kommen können.
Meinen Lehrlingen wünsche ich … viel Erfolg bei der Ausbildung und Freude im Beruf.
Das ist meine größte Stärke … ich gehe offen auf Menschen zu.
Das ist meine größte Schwäche … ich kann nicht ruhig sitzen und nichts tun.
Davor habe ich Angst … in Pension gehen zu müssen.
Als Kind wollte ich immer … Kindergärtnerin werden
Veröffentlicht in Magazin, Portraits
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