„Keine austauschbaren Excel-Tabellen-Ausfüller“

Im Jänner geht das Lehrlings-Crossmentoringprogramm des BFI Wien in die heiße Phase. Aus diesem Grund sprachen wir mit der Mentoringexpertin Gabriele Hahn über „austauschbare Excel-Tabellen-Ausfüller“ und die Notwendigkeit von Neugier, um den größten Nutzen aus dem Programm ziehen zu können.

Gabi_Hahn_c_Gabi_HahnSie haben jahrelange Erfahrung in punkto Mentoring. Was unterscheidet aus Ihrer Sicht das Lehrlings-Crossmentoringprogramm von anderen?

Gabriele Hahn: Dieses Mentoringprogramm hat einen sozialen und volkswirtschaftlich sinnvollen Hintergrund. Ich denke, dass es zudem den kommunikativen Austausch zwischen Lehrlingen und LehrlingsausbildnerInnen bzw. ArbeitgeberInnen verbessern und mehr Verständnis dabei füreinander entstehen kann. Kinder und junge Erwachsene brauchen heute ganz andere Ausbildungen, als noch vor zehn oder fünfzehn Jahren und vor allem dann, wenn es um den Berufseinstieg in so jungen Jahren geht.

Was erwarten Sie sich persönlich vom Lehrlings-Crossmentoring?

Gabriele Hahn: Ich erwarte mir persönlich davon, dass MentorInnen ein Gespür dafür bekommen, wie sich Führung verändert hat und derzeit massiv verändert. Wir alle sind in einem Paradigmenwechsel und die Kinder und jungen Erwachsenen zeigen auch teilweise sehr deutlich, dass sie mit hierarchischen Top-down-Maßnahmen nichts „mehr am Hut haben“. Wir alle sind kreative und soziale Wesen und keine Befehlsempfänger „für einen Kaiser, der  Soldaten braucht“ oder moderner gesprochen: keine „austauschbare Excel-Tabellen-Ausfüller“ sondern individuell und einzigartig. Wenn sich unsere jüngsten MitarbeiterInnen gegen alte Systeme wehren, dann sollten wir ihnen aufmerksam zuhören und darin eine Chance erkennen, wie wir – als Führungskräfte in den Unternehmen – alte, obsolete Systeme zu unser aller Wohl verändern können. Das wäre die primäre Aufgabe einer neuen sehr verantwortungsvollen Generation von EntscheidungsträgerInnen.

Was können die TeilnehmerInnen Ihrer Meinung nach aus diesem Jahr mitnehmen?

Gabriele Hahn: Ich denke, dass – wie bei allen Cross Mentoring Programmen – die TeilnehmerInnen – egal ob Mentees, Peers oder MentorInnen – insbesondere durch den unternehmensübergreifenden Austausch profitieren, weil sie dabei erfahren wie es in anderen Firmen läuft. Und das ist für alle, die dabei sind äußerst spannend. Nach meiner Erfahrung bietet Mentoring eine Hilfestellung für und Reflexionsmöglichkeit über das  eigene Leben – egal in welcher Rolle man daran teilnimmt. Zudem knüpft man Kontakte zu anderen Menschen, die über die Dauer des Programmes hinausgehen können.

Kinder und junge Erwachsene brauchen heute ganz andere Ausbildungen, als noch vor zehn oder fünfzehn Jahren und vor allem dann, wenn es um den Berufseinstieg in so jungen Jahren geht.

Gibt es irgendwelche Grundvoraussetzungen für die TeilnehmerInnen? Oder anders gefragt: Was müssen die TeilnehmerInnen sinnvollerweise in das Programm mitbringen?

Gabriele Hahn: Das Schöne am Mentoring ist, dass jeder authentisch sein kann, nichts lernen muss und auch keine Prüfung dafür abzuschließen hat. Das Einzige, das mitzubringen ist, ist die Neugier für andere Menschen und deren Erfahrungen. Wenn jemand daran teilnimmt, dann sollte er oder sie das aus persönlichem Interesse tun und nicht, weil die eigene Unternehmung das so will. Freiwilligkeit und Engagement, wenn man sich für eine Teilnahme entscheidet, sind die Erfolgsgaranten für gelingende Mentoring- und Peering-Beziehungen.

Wie danken für das Gespräch!

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