„Meine Aufgabe ist nicht, lieb zu sein, sondern zu unterstützen“

Mag. Doris Rannegger, bei REWE International AG für Jugend- und Nachwuchsförderung verantwortlich, über Motivation durch Anerkennung, so manche  Herausforderung und die „Erdung“ von Mentorinnen und Mentoren.

Doris Rannegger (c) Martin Jager / Marian & Co„Jugendliche sprühen vor Energie und sie wissen oft nicht, wohin damit – und, dass sie mit dieser Energie auch sehr, sehr viel erreichen können.“ Wenn Mag. Doris Rannegger von ihren Lehrlingen erzählt, klingt immer sehr viel Stolz mit: Die geborene Weststeirerin leitet derzeit bei der REWE International AG die Karriereschmiede und ist im zentralen HR-Management für die Jugend- und Nachwuchsförderung verantwortlich. In Summe sind 1.800 Lehrlinge in 17 Lehrberufen und 12 Ausbildungsfirmen unter ihrer Ägide: „Natürlich ist es manches Mal auch turbulent. Es ist aber schon sehr spannend, jeden Tag Lehrlinge zu sehen, die ihren Job wirklich gerne machen und das auch zeigen.“

„Mit Maschinen kann man das nicht erreichen“

In die Personalentwicklung und die Lehrlingsbetreuung ist Rannegger aber erst über Umwege gekommen: So hat sie nach der Matura an einer HBLA für Mode und Bekleidungstechnik Psychologie studiert. „In diesem Feld hat mir aber der ‚Mensch‘ per se etwas gefehlt. Es war mir einfach alles ein bisschen zu theoretisch.“ Im Personalbereich fühlt sie sich nun aber perfekt aufgehoben. „Tagtäglich fasziniert mich an meinem Bereich, wie viel man mit wie wenig in der Arbeit mit Menschen erwirken kann. Zum Beispiel belegen Studien, dass man mit simpler Anerkennung die Leistung um das bis zu 3,6 fache steigern kann.“, so Rannegger. „Das ist auch der große Unterschied: Mit Maschinen erreicht man das nicht.“ Ihre Aufgabe sei es dabei keineswegs die Jugendlichen in jedem Schritt bei der Hand zu nehmen oder sie gar zu bemuttern: „Meine Aufgabe ist nicht, lieb zu sein, sondern Lehrlinge bei ihrer Entwicklung zu unterstützen.“
Das treffe auch auf die Lehrlingsausbilderinnen und Lehrlingsausbilder zu und sei eine nicht zu unterschätzende Herausforderung: „Sie sichern unsere Zukunft – in die Lehrlingsausbildung zu investieren, ist eine Investition in die Zukunft“, stellt Rannegger klar. Es gehe dabei nicht nur um die Vermittlung von fachlichen Fähigkeiten: „Ihre Aufgabe ist es auch, den Jugendlichen tagtäglich zu zeigen, dass sehr viel möglich ist.“ Am Allerwichtigsten sei aber, den jungen Menschen die Möglichkeit geben zu können, „noch mehr Sinn in der Arbeit zu sehen und mit Spaß und Freude ans Werk zu gehen.“

Neue Perspektiven

Auch Mentoring – wie etwa das Lehrlings-Crossmentoring des BFI Wien – sei hier ein absolut probates Mittel – wobei Rannegger zufolge die Mentorinnen und Mentoren eine andere Rolle zu erfüllen haben, als die Lehrlingsausbilderinnen und -ausbilder: „Die Mentorinnen und Mentoren bilden die Jugendlichen nicht aus und agieren nicht nach dem Motto: So musst du es machen. Sie können vielmehr eine neue Sichtweise mitgeben und den Horizont auf andere, zusätzliche Weise erweitern. Die Lehrlinge treffen dann selbst die Entscheidung, was sie davon annehmen und beherzigen“, so die REWE International AG-Lehrlingsbeauftragte. Die Jugendlichen bräuchten Ideen und Anregungen, und beim „Lehrlings-Crossmentoring bekommen sie neue Perspektiven, die man als Lehrling sonst nicht so leicht bekommt.“
Aber auch die Mentorinnen und Mentoren könnten ihrer Meinung nach von diesem Programm profitieren: „Einerseits werden sie vielleicht an ähnliche Situationen in der eigenen Ausbildung erinnert und andererseits werden sie im Kontakt mit den Jugendlichen „geerdet“. Sie reflektieren wieder anders auf alltägliche Dinge und bekommen einen neuen Blickwinkel.“ Das könnten ganz banale Themen sein, so Rannegger abschließend, aber sie alle „wirken persönlichkeitsbildend“ – und darum ginge es ja: „Nie stehen bleiben, immer weiterentwickeln.“

Wordrap:

Vom LehrlingsCrossmentoring erwarte ich mir,… Denkanstöße für alle Beteiligten.
Meine Mitarbeiter will ich für meinen Weg gewinnen, indem ich … sie respektiere.
Die Motivation fördere ich, … indem ich Sinn stifte.
Als Führungskraft muss ich … Verantwortung übernehmen.
Der ideale Mitarbeiter ist für mich … mit Spaß und Freude bei der Arbeit.
Die Mitarbeiter dürfen sich von mir erwarten, … Ehrlichkeit
Meinen Lehrlingen wünsche ich … Chancen, die sie auch ergreifen.
Das ist meine größte Stärke … Empathie.
Das ist meine größte Schwäche … Sturheit und Inflexibilität.
Davor habe ich Angst … Krieg.
Als Kind wollte ich immer … Antworten.
Veröffentlicht in Magazin, Portraits