„Von den jungen Menschen erhält man das ehrlichste Feedback“

Der Lehrlingsbeauftragte bei A1, Christian Reinstadler, über Bildung als Lebensinhalt, die Vorbildwirkung von Vorgesetzten und warum das Lehrlingsthema in der Unternehmenshierarchie ganz oben angesiedelt werden sollte.

Christian Reinstadler, A1

Wenn man das Leben von Christian Reinstadler unter einem Schlagwort zusammenfassen müsste, würde es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit „Ausbildung“ lauten: „Mich hat schon als Kind dieses Thema interessiert. Ich habe es vielleicht nicht Ausbildung genannt. Aber ich bin gerne in die Schule gegangen und wollte eigentlich Lehrer werden“, so der heutige Lehrlingsbeauftragte bei A1 im Gespräch.

Trotz des Traums von der Akademikerkarriere hat sich der gebürtige Tiroler mit 15 dennoch für die Lehre entschieden: „In der damaligen Zeit haben einige meiner Klassenkollegen einen Lehrberuf angestrebt – und meine Eltern haben mir auch zur Ausbildung zum Fernmeldemonteur geraten“,  erinnert sich Reinstadler wie es dazu kam. Zwar habe er keine Ahnung gehabt, welcher Beruf sich eigentlich hinter dem Begriff verstecke – die Tatsache, dass dieser Beruf aber in der „Fernmeldeschule“ unterrichtet wurde, und diese noch dazu in Graz – „also weit weg von daheim“ – war, habe ihn dann doch überzeugt: „Die Chance zu bekommen, auf eigenen Füßen zu stehen, hat einen großen Reiz auf mich ausgeübt“ . Natürlich habe er auch manchmal Heimweh gehabt – „aber ich glaube, dass es mir leichter gefallen ist als meiner Mutter.“

Viele Facetten

Die dreijährige Ausbildung in der steirischen Landeshauptstadt absolvierte Reinstadler jedenfalls mit Bravour. Anders als so mancher Kollege beließ er es aber nicht dabei. Fünf Jahre berufsbegleitende HTL und vier Jahre Fachhochschule sind die eindrucksvolle Bilanz der ersten neun Jahre nach dem Lehrabschluss. Eine Person, die ihn in diesen Jahren sicherlich geprägt habe, sei sein erster Ausbildner gewesen: „Er hat mit 40 die Abendschule an der HTL absolviert. Das hat mir sehr imponiert und ist gleichzeitig Ansporn gewesen, dass ich den Schulabschluss lieber schon in jungen Jahren nachhole.“ Natürlich habe er sich im Nachhinein das eine oder andere Mal gefragt, ob er nicht gleich statt der Lehre eine höherbildende Schule besuchen hätte sollen. „Aber ich bereue sicher nicht, wie es sich entwickelt hat. Ich konnte viele Facetten des Bildungssystems sehen und kann mich so sicher leichter in unsere Lehrlinge versetzen.“

Kontakt zur Basis

Ein für Reinstadler geradezu essentieller Punkt in seiner tagtäglichen Arbeit mit den jungen Menschen: „Die Jugendlichen brauchen einen Ansprechpartner ihres Vertrauens. Und da ist es von Vorteil, wenn man ihre Wünsche, Ängste und Bedürfnisse aus eigener Erfahrung kennt.“ Generell empfiehlt er selbst den routiniertesten Kolleginnen und Kollegen – ja, selbst der Geschäftsführung – den Kontakt zur Basis, wie er es nennt, zu suchen und das Lehrlingsthema so hoch wie möglich in der Unternehmenshierarchie anzusiedeln: „Von jungen Menschen bekommt man einfach das unverfälschteste Feedback von allen. Sie sagen einfach direkt heraus, wo der Schuh drückt oder was ihnen sehr gefällt. Davon profitiert langfristig das ganze Unternehmen“, so Reinstadler.

„Die Jugendlichen brauchen einen Ansprechpartner ihres Vertrauens. Und da ist es von Vorteil, wenn man ihre Wünsche, Ängste und Bedürfnisse aus eigener Erfahrung kennt.“

Daher seien auch Programme wie das Lehrlings-Crossmentoring so wertvoll: „Sowohl Lehrlinge als auch Mentorinnen und Mentoren können unternehmensübergreifend aus den Erfahrungen der anderen lernen“, bringt es der A1-Lehrlingsbeauftragte auf den Punkt. „Außerdem können sich die Jugendlichen langsam ein Netzwerk aufbauen, das ihnen im Anschluss an die Lehre sicherlich weiterhilft.“

Selbst sieht sich Reinstadler auch nach Jahrzehnten im Konzern noch nicht am Ende seiner Ausbildung – daher absolviere er auch gerade ein Masterstudium am Technikum Wien: „Ich kann nicht von meinen Kolleginnen und Kollegen erwarten, dass sie sich fortbilden, wenn ich es selbst nicht vorlebe“, so die simple Begründung.

Wordrap: 10 kurze Fragen – 10 kurze Antworten:

Vom Lehrlings-Crossmentoring erwarte ich mir … Netzwerke.
Meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter will ich für meinen Weg gewinnen, indem ich … ein Vorbild bin.
Die Motivation fördere ich, … indem ich jeden in seinem Weg unterstütze.
Als Führungskraft muss ich … ein Vorbild sein.
Der ideale Mitarbeiter/die ideale Mitarbeiterin ist für mich … zielorientiert.
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dürfen sich von mir erwarten, … dass ich sie auf ihrem Weg unterstütze.
Meinen Lehrlingen wünsche ich, … dass sie ihren eigenen Weg finden.
Das ist meine größte Stärke … Kontinuität.
Das ist meine größte Schwäche … Sturheit.
Davor habe ich Angst, … dass mich irgendwann das Thema Weiterbildung nicht mehr interessiert.
Veröffentlicht in Magazin, Portraits