„Wann haben junge Menschen schon die Chance, sich mit Top-Führungskräften zu vernetzen?“

Am 30. Jänner fand der erste Tagesworkshop des Lehrlings-Crossmentoringprogramm des BFI Wien statt. Mit dem Gründer der „First International Apprentice Academy“ und Mentoringexperten, Hans P. Steiner,  sprachen wir über den angemessenen Status der Lehrlingsausbildung, die Kommunikation als Basis für Erfolg und das große Paket an Selbstvertrauen, das die Lehrlinge aus dem Programm mitnehmen können.
Hans_Steiner_400_c_BFI_Wien_WeinrichSie haben jahrelange Erfahrung in punkto Mentoring und Lehrlingscoaching. Was unterscheidet aus Ihrer Sicht das Lehrlings-Crossmentoringprogramm von anderen?
Hans Steiner: Die Wertigkeit dieses Programms ist grundsätzlich vielfältig. Durch die Teilnahme von Topunternehmen der österreichischen Wirtschaft wird die Position der Lehrausbildung in der Gesellschaft gestärkt und in Richtung ihres angemessenen Status bewegt. Im Programm selbst gewinnen die Lehrlinge durch die Begleitung der überbetrieblichen Mentorinnen und Mentoren Berufs- und Lebenserfahrung abseits ihrer alltäglichen Erlebnisse. Die Peers erhalten in diesem Programm die Chance, sich als junge Führungskraft zu üben und Erfahrungen für weitere Karriereschritte zu sammeln. Ganz spannend sehe ich auch die Position der Mentorinnen und Mentoren – in ihrer Position im Programm wirken sie begleitend und betreuend, sie haben jedoch auch die einmalige Chance selbst viel von den jugendlichen zu lernen. Jugendliche leben nicht, wie vielfach unterstellt, in einem Wertevakuum, sie haben jedoch traditionelle Werte „umgewertet“. Hier sehe ich für unsere Mentorinnen und Mentoren ein großes Feld zur persönlichen Weiterentwicklung. Diese Lernfelder bieten ihnen neue Möglichkeiten und Sichtweisen für ihre Arbeit im eigenen Unternehmen. Und last but not least das Lernfeld „Networking“ für alle Beteiligten. Wann haben junge Menschen schon die Chance, sich mit Top-Führungskräften zu vernetzen, das „Netzwerken“ professionell zu erlernen und Erfahrungen aus einem bunt durchgemischten Netz zu erhalten? Eine einmalige Gelegenheit in diesem Programm!

Was erwarten Sie sich persönlich vom Lehrlings-Crossmentoring?
Hans Steiner: Meine Erwartungen in neue Programme sind grundsätzlich anspruchsvoll jedoch auch angemessen. Mein Ziel ist es, eine intensive und offene Kommunikationsplattform, die weit über den Programmzeitraum hinausgeht zu schaffen. Junge Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen den Mut gewinnen, aktiv mit erfahrenen Führungskräften in Kontakt zu treten. Die teilnehmenden Peers gewinnen ein Gefühl für wertschätzende und dialogische Führung und machen durch ihre Aufgabe den nächsten Schritt in ihrer persönlichen Weiterentwicklung. Für mich persönlich und mein Team an Trainerinnen und Trainern erwarte ich mir eine Vielzahl von neuen Erfahrungen, die wir in unserer zukünftigen Arbeit mit Auszubildenden einsetzen können.

Was können die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Ihrer Meinung nach aus diesem Jahr mitnehmen?
Hans Steiner: Unsere Lehrlinge werden ein großes Paket an Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein aus diesem Programm mitnehmen – und die Erkenntnis, dass Kommunikation die Basis für beruflichen und privaten Erfolg darstellt. Sie werden auf ihre Fragen Antworten finden und erhalten Lebenserfahrungen, die auch in ihr jugendliches Gesellschaftsbild passen.
Die Mentorinnen und Mentoren werden erleben, dass die Werte der Jugendlichen nicht so weit von denen der Erwachsenen entfernt sind; dass junge Menschen sehr wohl offen sind für die Lebenserfahrung der reiferen Kolleginnen und Kollegen – wenn wir sie richtig kommunizieren und die Erwartungen anpassen! Sie werden erkennen, dass es nicht nur eine Phrase ist, dass die Jugend unsere Zukunft darstellt – jedoch nicht wenn wir sie nach den eigenen Erwartungen modellieren, sondern gemeinsam diese Zukunft auf Augenhöhe gestalten!
Und die Peers, sie werden mitnehmen, dass es herausfordernd und fördernd ist, Menschen zu unterstützen und zu führen. Die Erfahrung, dass das gesellschaftliche Verhalten bei der nächsten Generation bereits deutlich anders ist, als es noch bei ihnen gestaltet war.
Alle gemeinsam bekommen ein tolles Geschenk, die Erkenntnis, dass Networking und Kommunikation zwischen unterschiedlichen Altersgruppen und Generationen sehr wohl spannend, produktiv und erfolgreich sein kann und wir alle, unabhängig von Alter und Position, von jedem etwas lernen können.

Gibt es irgendwelche Grundvoraussetzungen für die TeilnehmerInnen? Oder anders gefragt: Was müssen die TeilnehmerInnen sinnvollerweise in das Programm mitbringen?
Hans Steiner: Freude mit anderen Menschen in Kontakt zu treten. Das ist eine Voraussetzung für alle Teilnehmenden. Unsere Lehrlinge bringen Interesse am Programm, an ihrer beruflichen und persönlichen Weiterentwicklung und die Bereitschaft zur offenen Kommunikation mit.
Den Mentorinnen und Mentoren wird die Fähigkeit des aktiven Zuhörens ausgesprochen behilflich sein. Ausdauer und Geduld wie auch ein hohes Maß an Wertschätzung und Konsequenz sind ebenfalls ein wichtiger Bestandteil ihrer Tätigkeit.
Unsere  Peers bringen jugendliches Selbstbewusstsein, Kommunikationsbereitschaft und Wertschätzung mit. Geschärfte Wahrnehmung und konstruktives Dialogverhalten hilft sowohl den Auszubildenden wie auch den Mentoren.

Veröffentlicht in Interview, Magazin