Wenn Vorbilder den Weg ebnen

Angelika Werth, Personalentwicklerin bei der Wiener Städtischen Versicherung, über Vorbilder als Wegbereiter, die Omnipräsenz von Personalarbeit und warum Mentoring „Aha“-Erlebnisse auslösen kann.

Angelika Werth_400_c_privatAngelika Werth konnte es nicht schnell genug gehen: „Ich habe schon mit acht Jahren gedacht: ‚Jetzt werde ich bald erwachsen…‘.“ Dass der Wunsch Vater des Gedankens war, musste sie zwar rasch feststellen – schließlich sei sie noch lange nicht „wirklich erwachsen“ gewesen. Heute ist sie es aber, und bei der Wiener Städtischen Versicherung  als Personalentwicklerin tätig. „Für mich ist das Interessanteste an einer Organisation – nach dem Kerngeschäft – das Recruiting sowie die Entwicklung von Führungskräften und MitarbeiterInnen“, erklärt Werth im Gespräch, wie es sie in das Feld der Personalarbeit verschlagen hat. „Ich finde es auch sehr spannend, die Personalinstrumente mit der Strategie und den Zielen des Unternehmens zusammenzubringen: Es geht darum, die Führungskräfte und MitarbeiterInnen in den fachlichen und persönlichen Kompetenzen auszubilden, die das Unternehmen in Zukunft benötigen wird.“

Die Umsetzung dieses Vorhabens sei dabei keineswegs auf eine einzelne Abteilung im Unternehmen reduziert, wie sie betont. Vielmehr passiere Personalarbeit überall: „Vor allem Führungskräfte leisten täglich sehr viel Personalarbeit. Und auch die MitarbeiterInnen, die junge Menschen direkt am Arbeitsplatz willkommen heißen und ausbilden, übernehmen einen sehr großen Teil der Personalarbeit“, so Werth.

Ehrliches Feedback

Ein durchaus probates Instrument sei dabei das Mentoring: Man bekomme ehrliches Feedback und habe Zeit, dieses Feedback gemeinsam zu reflektieren und Lösungen auszuarbeiten. „Ich habe bereits etwas Ähnliches wie Mentoring gemacht, und die andere Sichtweise auf meine Themen hat mir sehr oft ‚Aha‘-Erlebnisse beschert, an die ich heute noch immer denke und die ich heute noch immer anwende.“ Dementsprechend positiv stehe sie auch dem Lehrlings-Crossmentoring des BFI Wien gegenüber: „Ich finde, Mentoring ist eine sehr gute Möglichkeit, persönlich Themen zu besprechen und voneinander zu lernen. Das Lehrlings-Crossmentoring bietet zusätzlich die Möglichkeit, eine andere Branche näher kennenzulernen und somit den Horizont zu erweitern. Außerdem hat man – neben dem Chef/der Chefin – eine andere Bezugsperson, um Fragen zu stellen, Neues zu lernen und sich über den Arbeitsalltag oder längerfristige Ziele auszutauschen“, so Werth.

„Vor allem Führungskräfte leisten täglich sehr viel Personalarbeit. Und auch die MitarbeiterInnen, die junge Menschen direkt am Arbeitsplatz willkommen heißen und ausbilden, übernehmen einen sehr großen Teil der Personalarbeit.“

MentorInnen und Vorbilder seien für junge Menschen generell ein sehr wichtiges Thema in der Entwicklung. Sie selbst habe etwa von einer Pädagogin am meisten profitiert: „Bei der Abschlussfeier in der Schule hat mir eine Lehrerin, die ich immer sehr geschätzt habe, das Gefühl gegeben, dass mir die Welt offen steht und, dass ich alles erreichen kann, was ich will.“ Dass ihr ein Vorbild, „das das große Ganze viel besser überblicken kann“, an sie geglaubt habe, habe ihr Mut gemacht und Selbstvertrauen für den weiteren Lebensweg gegeben. Und dieser Lebensweg sei bisher absolut zufriedenstellend verlaufen: „Da und dort gibt es sicher Tage, die ich mit der heutigen Erfahrung besser anders verbracht hätte bzw. mehr nach dem, was ich wirklich will. Solange ich aus Fehlern lerne und mich verändere und weiter entwickle, bin ich mit mir zufrieden“, so Werth rückblickend. „Grundsätzlich macht es mir aber mehr Spaß in die Zukunft zu schauen, Pläne zu schmieden und Neues zu entdecken; so wie beispielsweise erstmalig Mentorin zu sein.“

Veröffentlicht in Magazin, Portraits