„Wir sind keine unbelehrbaren Oberlehrer“

Der Bereichsleiter Technische Dienstleistungen der Flughafen Wien AG und Mentor im Lehrlings-Crossmentoringprogramm, Christoph Edlinger, über die Faszination des Fliegens, den Vorteil von „Eigenbau-Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern“ und warum das Nichtstun die schlechteste Option ist.

Christoph Edlinger_400Der Traum vom Fliegen verfolgt Christoph Edlinger schon quasi sein ganzes Leben lang: „Als Kind wollte ich immer Pilot werden“, verrät der heutige Bereichsleiter für Technische Dienstleistungen bei der Flughafen Wien AG. „Fast jede freie Minute bin ich beim Hubschrauberstützpunkt im 12. Bezirk gestanden und habe ihnen beim Starten und Landen zugesehen und mir vorgestellt, wie es wohl sein wird, wenn ich selbst so ein Gerät steuere“, so der gebürtige Wiener. „Zu Hause habe ich dann immer an Flugzeugen und Hubschraubern gebastelt.“

Diese Leidenschaft fürs Handwerkliche en Gros und für Flugobjekte en Detail blieb auch seiner Mutter nicht verborgen: „Sie hat quasi die Schulwahl für mich getroffen, als ich mit 15 nicht mehr ins Gymnasium gehen wollte. Außerdem hat sie meinen Vaterdavon überzeugt, dass die Fachschule für Flugtechnik in Langenlebern das Richtige für mich ist“, erinnert sich Edlinger an den Beginn seiner Karriere.

Nach dem Fachschulabschluss machte Edlinger seine Leidenschaft für Flieger dann auch zum Beruf und heuerte 1985 beim Flughafen Werftbetrieb an. Dort kümmerte er sich zehn Jahre lang um das technische Wohl von Business- und Sportfliegern. Damit aber nicht genug maturierte er in dieser Zeit auch berufsbegleitend  am TGM für Maschinenbau. Mitte der 90er wechselte Edlinger vom Werftbetrieb zur Flughafen Wien AG und arbeitete sich über die Stationen Qualitätsmanagement und Bereichscontrolling für die Technik – „2000 absolvierte ich auch die Controllerausbildung“ – zum Werkstättenleiter hoch.

„Nach unseren Bedürfnissen“

Ab dem Zeitpunkt war er nicht nur für die Instandhaltung der Gebäude und Anlagen des Airports und von insgesamt 1.500 Fahrzeugen – „wir haben vom Moped bis hin zum 70-Tonnen-Flugzeugschlepper alles“ – verantwortlich, sondern hatte plötzlich auch die Ausbildung der technischen Lehrlinge unter seiner Ägide: „2000 hatten wir insgesamt 14 Lehrlinge. Heute sind es bereits 56“, schildert Edlinger stolz die positive Entwicklung der Lehrlingsstruktur am Flughafen Wien: „In meinem Bereich gibt es rund 170 Facharbeiter. Und ca. 120 davon sind ehemalige Lehrlinge – also Eigenbau. Der große Vorteil: Wir können uns die Fachkräfte ganz explizit nach unseren Bedürfnissen ausbilden“.

„Daher hoffe ich, dass die Lehrlinge und Peers das Lehrlings-Crossmentoring nicht nur ‚runterbiegen‘ sondern tatsächlich was davon mitnehmen – und sei es nur ein nettes Namensverzeichnis oder den Einblick in andere Arbeitsabläufe.“

2008 nahm Edlinger den nächsten Karrieresprung ins Visier und begann ein berufsbegleitendes Studium des Wirtschaftsingenieurwesens, das er auch 2012 erfolgreich abschloss: „Das ist auch die Botschaft, die ich meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern – egal ob Lehrlinge oder arrivierte Kollegen – gerne vermitteln möchte: Lernt’s was, macht’s was aus eurem Leben und trocknet’s nicht ein. Man muss sich permanent weiterentwickeln und darf nicht stehen bleiben. Nichts zu tun, ist das Schlechtestes was man machen kann“.

„Nicht nur runterbiegen“

Das sei auch einer der Gründe, warum der Flughafen Wien an Lehrlings-Austauschprogrammen (etwa mit dem Flughafen München) oder dem Lehrlings-Crossmentoring mitmache: „Wir versuchen mehr, als die Lehrlinge nur nach Vorschrift auszubilden. Wir möchten ihnen sowohl das fachliche wie zwischenmenschliche Rüstzeug mitgeben, um später am Arbeitsmarkt reüssieren zu können“, erklärt Edlinger. „Daher hoffe ich, dass die Lehrlinge und Peers das Lehrlings-Crossmentoring nicht nur ‚runterbiegen‘ sondern tatsächlich was davon mitnehmen – und sei es nur ein nettes Namensverzeichnis oder den Einblick in andere Arbeitsabläufe.“ Spannend sei vor allem die Zusammenkoppelung der unterschiedlichsten Charaktere: „Wir Mentorinnen und Mentoren sind nicht die unbelehrbaren Oberlehrer sondern wir wollen die Jungen fordern und ihnen ermöglichen, an ihrer eigenen individuellen Zukunft zu bauen“.
Er selbst erwartet sich von diesem Programm u.a. etwas über die Zukunftsvorstellungen der jungen Menschen zu erfahren – und am „Zeitgeist“ dran zu bleiben, wie er amüsiert betont. Wie seine eigenen Zukunftsvorstellungen aussehen? „Die Privatpilotenausbildung“, so Edlinger. „Die mache ich sicher noch!“

Wordrap

Vom Lehrlings-Crossmentoring erwarte ich mir, … einen Motivationsschub für die jungen Menschen, damit sie etwas aus sich machen.
Meine Mitarbeiter will ich für meinen Weg gewinnen, indem ich … offen kommuniziere.
Die Motivation fördere ich, … indem ich Ziele vorgebe.
Als Führungskraft muss ich … Vorbild sein und authentisch agieren.
Der ideale Mitarbeiter ist für mich … selbstbewusst, offen, menschlich und zielstrebig.
Die Mitarbeiter dürfen sich von mir erwarten, … dass ich nicht verlange, was ich nicht selbst bereit bin zu tun. 
Meinen Lehrlingen wünsche ich, … dass sie den für sie richtigen Beruf ergriffen haben und sich weiterentwickeln.
Das ist meine größte Stärke … Ich bin berechenbar – sprich, man weiß, woran man bei mir steht.
Das ist meine größte Schwäche … Ich bin berechenbar.
Davor habe ich Angst, … dass unsere sozialen Strukturen brechen, weil es zu wenige Perspektiven für unsere jungen Generationen gibt.
Als Kind wollte ich immer … Pilot werden.
Veröffentlicht in Magazin, Portraits